Kreuvfs Allerweltsblog

11.02.2010

Spiritualität ist Hirnschaden

Gespeichert unter: Humor, Kurioses, Medizin (Sonstiges), Soziales Umfeld von Kreuvf um 18:22:10

Jaja, ist natürlich böse übertrieben und unzulässig gekürzt, aber wo bliebe denn sonst der Spaß? ;X

Es gibt da eine aktuelle Studie, die untersucht hat, worauf Spiritualität neuronal basiert. Dazu haben die Leute betrachtet, denen man am Hirn rumoperiert hat. Die haben da genauer gesagt die sogenannte Selbstranszendenz vor und nach Hirnoperation untersucht. Was das sein soll?

[...] is thought to be a measure of spiritual feeling, thinking, and behaviors in humans. ST reflects a decreased sense of self and an ability to identify one’s self as an integral part of the universe as a whole. [...]

Also, irgendsoein Maß zur Abschätzung wie sehr man sich als Bestandteil des Universums und nicht als Individuum fühlt. Jo, das passt IMHO zu Spiritualität. Wenn die Leute dann immer behaupten sie wären im Gleichgewicht mit ihrer Umwelt. Das kann natürlich nicht sein, denn wären sie im Gleichgewicht, so müssten sie tot sein. Überhaupt funktioniert „Leben“ – wie auch immer man das definieren mag –  ja sowieso nur dank Ungleichgewichten. Und der Grund dafür, dass es Leben gibt, also der Sinn des Lebens, ist auch ganz einfach erklärt: Leben ist thermodynamisch begünstigt! Ansonsten würden andere Reaktionen eben schneller ablaufen.

Aber gut, zurück zum interessanten Teil: Die haben also geschaut wie hoch die Selbsttranszendenz bei den Leuten mit Hirntumor ist, haben die dann operiert, wieder geschaut wie hoch die Selbsttranszendenz ist und geguckt, welche beschädigten Hirnregionen jetzt für eine Veränderung gesorgt haben. Und die spannende Frage ist ja jetzt, was die da gefunden haben:

The group found that selective damage to the left and right posterior parietal regions induced a specific increase in ST.

Also irgendsoeine Region im Hirn hat bei Schädigung dafür gesorgt, dass es einen Anstieg an Selbsttranszendenz gibt.

q. e. d. Spiritualität ist Hirnschaden! :X

Quelle: Selective brain damage modulates human spirituality

10.11.2009

Grippepropaganda

Gespeichert unter: Medizin (Sonstiges), Soziales Umfeld von Kreuvf um 22:06:33

Die böse Schweinegrippe ist überall und wir werden alle sterben. Immerhin hat die Evolution dann wieder mal ein wenig Spielraum und kann natürliche Auslese betreiben, ist ja auch echt nervig seit die Medizin immer weiter fortgeschritten ist, überaltert die Gesellschaft und das führt natürlich zur schlimmsten aller Krankheiten: Schwarze Pest.

Aber zum Thema: Auf der Seite meiner Hochschule wird auch brav mitgemacht, wenn es darum geht Panik zu machen. Auf der rechten Seite der Startseite befindet sich ein Link zu einer Seite, die einem erklären soll wie man sich denn vor der Grippe schützen kann. Daran habe ich auch nichts auszusetzen, also, wenn es immer an dieser Stelle diesen Link (mit anderem Verweistext natürlich) gäbe. Aber scrollt man ein wenig weiter, so entdeckt man einen Link auf eine RKI-PDF mit dem Titel „Selbstverteidigung gegen Grippe“. Allein der Titel ist ja schon schlimm, aber der Inhalt überzeugt durch mindestens eine gewohnt seriöse Aussage vom RKI:

Die Grippe beispielsweise – in der Fachsprache auch Influenza genannt – ist allein in Deutschland pro Jahr für durchschnittlich mehrere tausend Todesfälle verantwortlich.

Das statistische Bundesamt veröffentlicht jährlich detaillierte Statistiken zu den Todesursachen der Deutschen. Also habe ich mir mal die Zahlen für 2007 und 2006 geholt, die von 2008 habe ich mit der Suche nicht finden können, aber ich denke mal, dass niemand denkt, dass das allzu stark geschwankt hat in 2008.

Todesursache Tote
2006 2007
J10-J18 Grippe und Pneumonie 20.434 21.883
J10 Grippe durch nachgewiesene Influenzaviren 3 11
J11 Grippe, Viren nicht nachgewiesen 63 88
J12 Viruspneumonie, anderenorts nicht klassifiziert 39 49
J18 Pneumonie, Erreger nicht näher bezeichnet 19.713 21.079

Also, selbst wenn ich alles, was unter J18 ist, von J10-J18 abziehe und dann wohlwollend (also, nicht das Volkswohl, sondern das finanzielle Wohl entsprechender Nutznießer) davon ausgehe, dass die Zahl, die dabei herauskommt, die Zahl an an Grippe verstorbener Menschen in den Jahren 2006 und 2007 ist, … selbst dann bleiben für 2006 nur lausige 721 und für 2007 nur 804 Grippetote. Wenn man jetzt wieder wohlwollend ist und annimmt, dass wir 2008 bei rund 1.000 Fällen lagen, dann ergibt das unter der Annahme, dass jeder in Deutschland gleich wahrscheinlich an der Grippe sterben kann, eine Wahrscheinlichkeit von etwa 1:82.000 (oder etwa 0,00122 %) an einer Grippe zu sterben. Und wir sollten uns an den Winter 2005/2006 erinnern, als die bekannterweise ganze Landstriche hinweggefegt habende Vogelgrippe ihr Unwesen trieb. Übrigens: Es ist mit rund 1:8.600 (etwa 0,0116 %) sogar über neunmal wahrscheinlicher an „vorsätzlicher Selbstbeschädigung” zu sterben, wenn man die Zahlen aus 2006 (9.765) und 2007 (9.402) zugrundelegt. Aber zur Verhinderung „vorsätzlicher Selbstbeschädigung” muss man ja tatsächlich was für die Leute tun und das sieht dann mit dem Profit total schlecht aus! D:

Eine Sache fehlt natürlich noch: Die reden ja explizit von so vielen Toten durchschnittlich pro Jahr in Deutschland. Und es würde mich nicht wundern, wenn da Zahlen von vor sehr langer Zeit in den Durchschnitt einfließen oder nur ausgewählte Jahrgänge ;) Alles in allem aber ein sehr gutes Beispiel für transparente Panikmache.

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07.03.2008

Bakterien im Haarspray

Gespeichert unter: Kurioses, Medizin (Sonstiges) von Kreuvf um 19:05:12

Ich finde ja, dass Bakterien zu den coolsten Lebensformen zählen, die es gibt. Daher freut es mich ein wenig zu hören, dass es jetzt eine neue Spezies gibt: Microbacterium hatanonis. Diese kann bei 30 °C und einem neutralen pH gut leben.

Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es ist aber jedes Mal wieder extrem überraschend wie schnell die Evolution bei Bakterien voranschreitet. Bei Antibiotika fällt dies im Allgemeinen am meisten auf, aber auch so exotische Lebensräume wie Haarsprays werden dann besiedelt. Sogar Bakterien, die sich an Nylon zu schaffen machen, gibt es ja.

New Bacteria contaminate hairspray – EurekAlert!
Biodegradation of Nylon and other Synthetic Polyamides

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11.07.2007

Ungesunde Pflanzenkost

Gespeichert unter: Medizin (Sonstiges), Technologie von Kreuvf um 20:17:45

Das Bild vom präventiv mit Antibiotika vollgestopften Nutzvieh dürfte jedem geläufig sein. Genauso dürfte das Bild vom Gülletraktor, der über das Feld fährt und es düngt, jedem geläufig sein. Jetzt fehlt nur noch ein Zwischenschritt und wir sind am Ziel: Antibiotikaversetzte Pflanzen.

Dies wird von einer Untersuchung der "Soil Science Society of America" untermauert, in der es heißt:

Plant uptake was evaluated in a greenhouse study involving three food crops: corn, lettuce, and potato. Plants were grown on soil modified with liquid hog manure containing Sulfamethazine, a commonly used veterinary antibiotic. This antibiotic was taken up by all three crops. Concentrations of antibiotics were found in the plant leaves. Concentrations in plant tissue also increased as the amount of antibiotics present in the manure increased. It also diffused into potato tubers, which suggests that root crops, such as potatoes, carrots, and radishes, that directly come in contact with soil may be particularly vulnerable to antibiotic contamination.

Quelle: Plants uptake antibiotics – EurekAlert.org
Deutsche Zusammenfassung: Man hat Getreide, Salat und Kartoffeln auf einem Boden wachsen lassen, der zu unterschiedlichen Graden mit sulfamethazin-haltiger Gülle gedüngt war. Man hat dann untersucht, ob und wo dieses Antibiotikum von den Pflanzen aufgenommen wurde. In den Blättern wurden Antibiotika gefunden und die Antibiotikakonzentration im Pflanzengewebe stieg mit steigender Sulfamethazinkonzentration in der Gülle an. Besonders gefährdet scheinen Hackfrüchte zu sein, die in direktem Kontakt mit der kontaminierten Erde stehen.

So schlimm wäre das ja nicht, wenn man nicht die Befürchtung hätte, dass sich zum einen beim Menschen allergische Reaktionen gegen Antibiotika entwickeln können und zum anderen – und bei weitem schlimmer – Bakterien resistent werden können, was Antibiotika zur Wirkungslosigkeit verdammt (wobei die Nebenwirkungen natürlich erhalten bleiben).

In den USA gibt das United States Department of Agriculture zwar für "organic farming" (wahrscheinlich vergleichbar mit dem deutschen Ökoanbau) vor, dass beim Einsatz von Tiermaterial darauf geachtet werden muss, dass die Pflanzen nicht mit verbotenen Substanzen (darunter auch Antibiotika) verseucht werden. Explizit verboten ist antibiotikahaltige Gülle allerdings nicht.

Auf diesem Gebiet bedarf es allerdings noch einiger Forschung, die auch an der University of Minnesota weitergeführt wird.

Quellen & Links

Plants uptake antibiotics – EurekAlert.org
Sulfamethazin – Tierarzneimittelkompendium der Schweiz
Hackfrucht – Wikipedia
The major distinctions between organic farming and conventional farming systems – USDA

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19.06.2007

Ferienende-Syndrom

Gespeichert unter: Kurioses, Medizin (Sonstiges), Wortschatz/Sprache von Kreuvf um 16:48:44

Der eine oder andere hat sicherlich schon mal von sogenannten "erfundenen" Krankheiten gehört. Ich beziehe mich dabei u. a. auf "Die Krankheitserfinder" von Jörg Blech. Es handelt sich dabei nicht um Hypochonder, die sich ihre Krankheiten einbilden, sondern viel mehr um alltägliche/entwicklungsbedingte Zustände des Wohlbefindens, die in Zusammenarbeit von Pharmafirmen mit Marketingfirmen zur Krankheit umdefiniert werden.

Ein neuer heißer Kandidat für eine solche erfundene Krankheit ist das "Ferienende-Syndrom", das im englischen Original "post-holiday syndrome" heißt. Es handele sich bei diesem Syndrom um einen Zustand allgemeinen Unbehagens ausgelöst durch die Unfähigkeit sich nach Ferienende wieder ans Arbeiten zu gewöhnen.

Lt. der spanischen Wissenschaftlerin Humbelina Robles Ortega äußere sich dieses Syndrom psychisch (Reizbarkeit, Angstgefühle, Betrübnis, "geht-mir-am-Arsch-vorbei"-Haltung, tiefes Gefühl der Leere) und physisch (Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit oder Schlaflosigkeit, abnormal hoher Puls, Muskelschmerzen). Empfohlen wird ein Teilen der Ferien in kleinere Abschnitte, damit die Wiederaufnahme der Arbeit nicht so traumatisch wäre.

Spätestens hier sollte jedem klar sein, dass das eher so eine "Krankheit vom Reißbrett" ist. Es ist schließlich vollkommen normal, dass man sich ausgepowert fühlt, wenn man nach einer langen Verschnaufpause nicht erst um 9, sondern schon um 6 oder 5 aufstehen muss und dann auch noch den ganzen Tag arbeiten darf – ohne Mittagschlaf! Noch gibt es kein Medikament, um die Symptome dieser "Krankheit" zu unterdrücken, aber was nicht ist, kann ja noch werden und vielleicht werden Koffeintabletten ja bald der Renner in Spanien.

Quelle:
Dividing up your holidays into several periods can help prevent post-holiday syndrome – EurekAlert.org

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